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Projekte, Sinn und Wirkung:Uganda-Reise 2025 – Partnerschaft, die Früchte trägt

Reisegruppe 2025
Bildung, Gesundheit, Landwirtschaft und Hilfe zur Selbsthilfe in Uganda: Zehn Menschen haben Hannbergs und Adelsdorfs Partnerpfarrei Busagula in der Diözese Masaka besucht.
Datum:
Veröffentlicht: 11.2.26
Von:
Stefan Reinmann

Reisebericht 2025

Ende November 2025 reiste eine Gruppe aus Hannberg, Zeckern, Höchstadt an der Aisch, Erlangen und der Pfarrei Adelsdorf über Istanbul nach Entebbe und weiter nach Masaka und Busagula. Schon bei der Ankunft spürten die Gäste: Diese Partnerschaft lebt, nicht nur auf dem Papier und in Form von Spenden, sondern in den Herzen vieler Menschen.

Die Freunde und Partner in Uganda empfingen die Gruppe mit offenen Herzen und mit viel Gastfreundschaft. Reiseleiter war Pfarrer Peter Ssenkaayi, Mitarbeiter der Diözese Masaka und Kontaktperson zur ländlichen Entwicklungshilfeeinrichtung Caritas Maddo, über die viele der aus Franken unterstützten Projekte koordiniert werden.

Begrüßt mit Musik, Gesang und Tanz

Als die Besucher aus Deutschland in der Partnerpfarrei Busagula ankamen sangen Hunderte Kinder im Chor: „Welcome dear visitor“. Sie bildeten ein Spalier entlang der „Hannberg Street“, die zum Pfarrhaus führt, unter Mahagoni-Bäumen, die vor 15 Jahren gemeinsam mit Heßdorfs Altbürgermeister Horst Rehder, Adelsdorfs Pfarrer Thomas Ringer und Hannberg früheren Pfarrer Lars Rebhan  gepflanzt worden waren.

Im Sonntagsgottesdienst trug Günther Müller aus Adelsdorf die Lesung vor, die Gäste sangen Lieder und spürte die Lebensfreude des ugandischen Chores.

Abends tanzten Schülerinnen, Schüler und Gäste gemeinsam um ein Lagerfeuer. Einige Kinder waren extra trotz Ferien zwei Tage länger in der Schule geblieben, um mit den Gästen zu singen und zu tanzen. Gelebt wurde der Ausspruch: Tuli bumu. Das ist Luganda und bedeutet „Wir sind eins“.

Lebenstraum verwirklicht: Wenn Spenden persönliche Lebensgeschichten verändern 

Die Besucher durften nach einer sechsjährigen Unterstützungszeit nun die frisch promovierten Ärztinnen Dr. Immaculate Namazzi und Dr. Matilda Nantume persönlich kennenlernen. Beide stammen aus Busagula und haben Ende 2025 ihr Medizinstudium erfolgreich abgeschlossen. Sie haben Corona getrotzt und konnten dank der Gelder aus dem Seebachgrund ihren Traum eines Medizinstudiums verwirklichen. Sechs Jahre zuvor hatte der Sachausschusses „Mission, Entwicklung und Frieden“ der Pfarrei Hannberg entschieden, in die beiden jungen Frauen Zeit und Geld in Form eines Bildungsfonds zu investieren. 

Dieses Vertrauen hat sich mehr als ausbezahlt. Immaculate und Matilda sind getragen von tiefer Dankbarkeit und dem Wunsch, ihrer Region etwas zurückzugeben. Bei der feierlichen Graduation an der Kampala International University durften Agnes Hitschfel aus Adelsdorf und Stefan Reinmann aus Hannberg dabei sein. Und wurden vom Uni-Präsidenten offiziell begrüßt. Als die beiden jungen Frauen ihre Doktorinnenroben überwarfen, war der Moment  feierlich und überwältigend. Herzliche und besonders dankende Grüße der beiden jungen Frauen an alle Unterstützer:innen, die ihren Lebenstraum real haben werden lassen.

Wenn Spenden die Infrastruktur einer ganzen Gemeinde verbessert

Nun sammeln Dr. Immaculate Namazzi und Dr. Matilda Nantume  Erfahrung und werden die ersten beiden Frauen in Busagula sein, die als Ärztinnen arbeiten werden. Und zugleich werden sie die ersten Ärztinnen überhaupt sein, die in Busagula praktizieren werden. Tausende Menschen werden davon profitieren.

Unterstützung zum Beispiel über die Teilnahme am Lauf für Uganda in Hannberg oder konkrete Spenden verändern eben  nicht nur Lebensläufe. Sie verändert ganze Gemeinschaften.

Schulen, die wachsen – und Schüler:innen, die Verantwortung übernehmen

An der Bishop Kaggwa Vocational Secondary School wurde deutlich, wie stark Infrastruktur über Bildung entscheidet. Ein defekter Wassertank bedeutete fehlende Hygiene. Dunkle Schlafsäle erschwerten Lernen und Leben. Mit den jüngsten  Spenden aus Hannberg konnten konkrete Schritte geplant und umgesetzt werden: Reparaturen, Elektrizität, Malerarbeiten, bessere Sanitäranlagen.

Auch an der St. Bernards Primary School zeigte die kontinuierliche Partnerschaft Erfolg:

Laptops und ein Drucker ermöglichen erstmals ein strukturiertes Arbeiten, regelmäßige Leistungstests und bessere Unterrichtsplanung. Lehrkräfte berichteten, wie sehr dies den Schulalltag verbessert.

Needy Children Programm - Chancen für Kinder und Jugendliche

Besonders eindrucksvoll war das seit über 20 Jahren bestehende Needy Children Programm, das Kindern aus finanziell schwachen Familien, Waisen und Halbwaisen den Schulbesuch ermöglicht. Vor Ort begegnete die Gäste zahlreichen Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die dank dieser Unterstützung heute eine Ausbildung absolvieren oder bereits im Berufsleben stehen.

Zum Beispiel die Geschwister Melanie und John Chris Matovu aus der Pfarrei Mbirizi: Melanie besucht die Secondary School und träumt davon, Flugzeug-Ingenieurin zu werden, während John Chris bereits im zweiten Jahr seines IT-Studiums ist. Amila Nassolo konnte eine Hebammenausbildung abschließen und unterstützt nun Familien bei Geburten, und Josephine Mirembe besucht aktuell die weiterführende Schule. Zudem haben drei ehemalige Schüler aus Busagula stolz von ihrem Berufsleben berichtet – heute arbeiten sie als Konstrukteur in Kampala, als Schneiderin und Handarbeitslehrerin sowie als Sekretärin und Buchhalterin.

Gesundheit: kleine Mittel, große Wirkung

Die Gesundheitsstation von Busagula war ein Ort intensiver Eindrücke. Hier wurden Babys geimpft, Mütter betreut, Malaria behandelt. Die Zahlen sprachen für sich – doch noch eindrücklicher war der Spaß an der Arbeit, die Ruhe und Professionalität des Teams.

Mit großem Engagement leitet Hebamme und Stationsleiterin Cathrine Nakyeyune die Krankenstation in Busagula. Mit viel Fachwissen, Herzlichkeit und organisatorischem Geschick sorgt sie gemeinsam mit ihrem Team dafür, dass Mütter, Kinder und Familien zuverlässig medizinisch versorgt werden – von Vorsorgeuntersuchungen über Geburtenbegleitung bis hin zu Impfprogrammen. Besonders beeindruckend ist ihr unermüdlicher Einsatz für Hygiene, Aufklärung und eine würdige Betreuung der Patientinnen unter oft einfachen Bedingungen. Ihr positives Wirken stärkt das Vertrauen der Menschen in die Gesundheitsversorgung vor Ort und zeigt, wie viel durch Hingabe, Verantwortung und gelebte Nächstenliebe möglich wird.

Neue Ausstattungen wie ein Autoklav wurden mit Spendengeldern aus Hannberg und Adelsdorf finanziert. Gleichzeitig wurde klar: Gute medizinische Versorgung braucht nicht nur Geräte, sondern auch Organisation, Daten und Vertrauen der Bevölkerung. Dies bekräftigte auch der Gesundheitsausschuss der Gemeinde, bestehend aus Fachleuten,  konfessionsübergreifend für Christen und Muslime. 

Landwirtschaft, Kaffeekooperation und Selbstständigkeit

Kaffee, Milch, Mais – die wirtschaftliche Basis vieler Familien. Die Reisegruppe besuchte Bauern, die Molkerei von Caritas Maddo in Masaka, Kaffeeprojekte und Kooperativen. Dabei zeigte sich: Wo Kooperation funktioniert, entsteht Stabilität. 

Hilfe zur Selbsthilfe – Schritt für Schritt

Auch in der Landwirtschaft zeigte sich ein klares Prinzip: Menschen werden nicht versorgt, sondern befähigt. Kaffeeanbau, Molkerei, Brunnen, Kooperativen – all das schafft Einkommen, Stabilität und Würde.

Besonders eindrücklich waren der Besuch von Kaffeebauern. Sie zeigten Schritt für Schritt, wie aufwändig Kaffeeanbau ist – von der Pflanze bis zur Bohne. In Gesprächen wurde deutlich, wie sehr die von uns unterstützte Kaffee-Genossenschaft den Lebensstandard der Familien verbessert hatte: stabileres Einkommen, bessere Schulbildung, mehr Sicherheit im Alltag.

Eine andere Exkursion führte in die Molkerei von Masaka. Der dort produzierte Joghurt war nicht nur außergewöhnlich gut, sondern ein Zeichen dafür, wie lokale Kleinbauern funktionierende Absatzmärkte finden können. Qualität, die überzeugt – und Perspektiven schafft.

Nachhaltigkeit und Instandhaltung

Für Technik, Handwerk, Bildung und Strukturen haben sich die Reiseteilnehmer Georg Lunz und Wilfried Hohn besonders interessiert. Sie haben in etlichen Gesprächen mit Lehrern, Handwerkern, Pfarrgemeinderäten und Verantwortlichen der Gemeinde unterhalten um die Bedarfe in Schulen, Kaffeekooperation und Pfarranwesen besser einschätzen und nachhaltig verbessern zu können. Gemeinsam mit Lehrern der Secundary school haben die beiden zum Beispiel ein Müll-Sammel-Projekt angestoßen, bei dem Schüler:innen selbst Verantwortung übernehmen müssen, das Anwesen sauber zu halten.

Für den Anschub des Handarbeitsunterrichts hat  Roswitha Heilmann der Weiterführenden Schule eine Nahmaschine geschenkt.

Perspektiven durch Bienenhaltung

Ein besonderes Zeichen für nachhaltige Entwicklung setzte Dr. Wolfgang Edrich, Biologe und Bienen-Spezialist. In zahlreichen Gesprächen und praktischen Begegnungen vermittelte er sein fundiertes Wissen über das Verhalten afrikanischer Bienen sowie über eine einfache, ökologische und naturnahe Imkerei. Sein Anliegen: mit respektvoller und nachhaltiger Bienenhaltung eine verlässliche Einnahmequelle aufbauen – im Einklang mit Natur und Tier. Die praxisnahen Hinweise aus seiner jahrzehntelangen wissenschaftlichen Arbeit stießen auf große Neugier, führten zu intensiven Gesprächen und inspirierten viele Interessierte, eigene Schritte in Richtung verantwortungsvoller Imkerei zu gehen. So entstand ein weiterer Baustein für Selbstständigkeit, Umweltbewusstsein und langfristige wirtschaftliche Stabilität in den Gemeinden.

Echte Früchte der Partnerschaft

Manche scheinbar kleinen Geräte erscheinen bei uns als völlig normal. In der Pfarrei Busagula haben sie aber vielleicht eine ganz andere Wirkung. So etwa der kleine Mixer, den Reiseteilnehmerin Renate Schmid überreichte. Mit dem kleinen Gerät entstanden aus frischen Ananas, Mangos und Avocados aus dem Pfarrgarten einfache aber unglaublich leckere Smoothies. Frische Fruchtbomben wurden gemeinsam getrunken, es wurde gelacht und neue Rezepte probiert. 

Matoke trifft Majoran - „Bratwurstfestmahl“ am Äquator

Ein besonderes Beispiel für gelebten Kulturaustausch brachten Roswitha und Leo Heilmann, gelernter Metzgermeister, gemeinsam mit viel Herzblut ein: Fleischwolf, Wurstabfüllmaschine, Naturdärme sowie fränkische Kräuter und Gewürze im Gepäck. Zusammen mit Pfarrer Louis Mugumya und engagierten Helfern der Pfarrei zeigten sie Schritt für Schritt, wie echte fränkische Bratwürste hergestellt werden – praktische Wissensvermittlung, die schnell zu einem großen kulinarischen Fest wurde. Neben Kochbananen (Matoke), Krautsalat und Kartoffeln brutzelten über offenem Feuer in einer großen Schüssel rund 100 Bratwürste, am nächsten Tag folgten weitere 100 „Blaue Zipfel“, sanft im Sud mit Zwiebeln gegart. Das gemeinsame Kochen und Essen schuf eine entspannte Atmosphäre: Zwischen herzhaftem Lachen und Genuss entstanden intensive Gespräche über Projekte, über Kulinarik und über die Herausforderungen des Alltags in Franken und Afrika. Selbst Bischof Serverus Jumba aus Masaka zeigte sich beeindruckt. Essen wurde hier zur Sprache der Wertschätzung. Im Gegenzug durften bei der Bischofsaudienz die Gäste aus dem Aisch- und Seebachgrund frisch frittierte Grillen probieren. Lecker!

Engel die Frauen unterstützen - Einkommen und Emanzipation - Handarbeit und Wirtschaft

Und dann waren da noch die kleinen Engel, handgefertigt aus Bananenblättern und Baumrindenfasern. Gekauft bei einer Frauengruppe aus Ugandas Hauptstadt Kampala, die damit ihr Einkommen sichert. Jeder Engel ein Unikat – und ein Zeichen, wie Würde, Kreativität und Eigeninitiative gefördert werden können. Die Leiterin der Gruppe heißt Sylvia Nakalema und war früher Lehrerin im Transitory Home in Masaka. 

Erfahrung, Wissensaustausch und Lebensfreude

Was diese Reise besonders machte: gemeinsame Mahlzeiten, Tanz, Musik, Lachen, geteiltes Staunen. Und am Ende dieser Reise bestand bei den Reiseteilnehmenden die Gewissheit, dass aus Vertrauen Zukunft entsteht. Dass selbst kleine Beiträge große Wirkung entfalten können, wenn die Gemeinschaft einen gemeinsamen Willen zeigt. Und dass Gott dort wirkt, wo Menschen füreinander einstehen. 

Dankbarkeit, Freude und Hoffnung

„Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Mt 25,40)
Diese Worte Jesu wurden auf dieser Reise lebendig erfahrbar.

„Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt.“ (Psalm 30,12)
Freude, Hoffnung und Dankbarkeit lassen Zukunft wachsen.

Spenden und Potenziale freisetzen

Jeder Beitrag aus Hannberg, Adelsdorf und Franken, jeder Euro, den Unterstützer:innen gegeben haben und geben werden, wird sichtbar: Als elektrisches Licht in Schlafräumen, sauberes Wasser im Tank, Strom in der Schule, als technische Unterstützung in der Krankenstation, als Bildungschance für junge Menschen.

Diese Mittel verändern Leben, eröffnen Perspektiven und stärken Würde. 

Dankbar blicken wir auf viele Jahre vertrauensvoller Partnerschaft zurück – und auf das, was daraus hoffentlich weiter durchn ihre und eure Unterstützung wachsen darf.

Spendenkonto:

Kath. Kirchenstiftung Hannberg

IBAN: DE30 7606 9602 0300 0116 65

BIC: GENODEF1HSE

Verwendungszweck: Uganda-Spende